Der Autor über sein Buch

Kleine Windräder : Berechnung und Konstruktion

/ Manuel Franquesa. - Wiesbaden [u.a.] : Pfriemer, 1989


Wir werden weiterheizen, bis die Welt ins Wasser fällt, heute gehöhrt uns die Erde und Morgen die ganze See...

 

Der Autor über sein Buch

 

1. Kapitel : Software

Drei Jahre habe ich (mit grosser Freude) geschuftet, um dieses Buch zu verfassen. 

Wenn ich meine Honorare durch die Anzahl Stunden, die ich an diesem Buch (mit Freude) gearbeitet habe, teilen würde, würden Sie (und ich) wahrscheinlich vom Stuhl fallen (1989 gab es die fürstlich bezahlten 1 Euro-Jobs von (es)HARZT IV noch nicht).

Doch ich schreibe hier nicht um mich finanziell zu beklagen oder gar zu bereichern. 

Was mich wurmt, ist dass trotz Global Warming mein Buch immer noch ein Schattendasein fristet (zum Teil bei eBay).

Es ist sicherlich nicht das beste Buch über Windräder, aber bis heute habe ich kein besseres für den Unterricht dieser luftigen Materie an Hochschulen gefunden. 

Schumachers "Small is Beautiful" war eine meiner Inspirationsquellen. Darum habe ich den Schwerpunkt auf "kleine" Windräder gesetzt. 

Ich träumte davon, dass noch zu meinen Lebzeiten Millionen von Leuten ein kleines Windrad neben dem Haus betreiben würden.  

Ich träumte davon, dass mein Buch viele junge Ingenieure motivieren würde, solche "kleinen" Windgeneratoren zu entwickeln und zu komerzialisieren. 

Aber es war eben nur ein (schöner) Traum. 

Mein bescheidenes, aber nützliches Buch wurde in den fast 20 Jahren seit seinem Erscheinen nicht einmal ins Englische übersetzt. 

Nicht einmal mein Verleger ist sich über das Potential von Indien bewusst, wo wahrscheinlich jeder Student Englisch beherrscht.

Und allein die USA und Kanada, wo mehr als 300 millionen Menschen leben (und über 20% der weltweiten Emissionen verursachen) ...  

Als ich vor Jahren dem wichtigsten spanischen Verleger von technischen Büchern (Boixareu Editores, Barcelona) vorschlug, mein Werk ins Spanische zu übersetzen, winkte er freundlich ab, mit dem Argument, die Veröffentlichung von Fachbüchern bringe ihn in den Ruin, denn die Leute fotokopieren sie statt sie zu kaufen.

Herr Boixareu zeigte mir sein von nicht verkauften Büchern vollgestopftes Lager und schenkte mir freudig ein gutes Dutzend hochinteressante Werke über Sonnenenergie, Biogas usw... (alles ausser Komposttoiletten).

Er sagte mir, dass er seit Jahren keine Lehrbücher von Hochschuldozenten mehr verlegen würde, weil er damit zu viele  Verluste erleide. Inzwischen verlegt er nur noch (Hand-)Bücher für Computerprogramme ...

Alsdann schlug ich der autonomischen Regierung von Katalonien vor (die gibt ein Vermögen aus zur Förderung der katalanischen Sprache und "Kultur"), das Buch ins katalanische zu übersetzen und zu veröffentlichen. Der Vorschlag wurde mit grossem Appetit von einem Reisswolf des "Kulturministeriums" (Conselleria de Cultura de la Generalitat de Catalunya) verschlungen.

Wär' ich nicht sooo müde, würde ich dem chinesichen Gesundheitsminister vorschlagen, das Buch ins Chinesische zu übersetzen. China ist ja sooo gross und windig ...

2. Kapitel : Hardware

Als ich 1984 (liebe Grüsse von George Orwell) das Buch in Angriff nahm, war ein PC unerschwinglich. 

Ich habe alle Berechnungen mit einem Taschenrechner HP11C gemacht. Das war ein kleiner wissenschaftlicher Rechner, mit dem man lange Formeln (mathematische Würste) programmieren konnte. Man gab die Werte ein, und dann konnte man eine Zigarrette rauchen bis das Resultat erschien (im Display war nur ein blinkendes "running" zu sehen, das umso länger dauerte wie die Formel komplex war). 

So sass ich nächtelang um eine Kurvenschar zu berechnen. 

Diese langsame Methode erwies sich aber mit der Zeit als taoistische Übung. Ich begann die n-dimensionalen Funktionen als eine Art "Himalayagebirge" zu sehen und deren Lösungen wie Schleichpfade durch dieses zu verstehen.

Ich begann ein intuitives Verständnis für die physikalischen und mathematischen Zusammenhänge in einem sich fröhlich drehenden Windrad zu entwickeln.

Ich habe das ganze Buch auf einer kleinen elektronischen Schreibmaschine geschrieben ("brother"). Die Memory dieses (damals) kleinen technischen Wunders reichte gerade mal für ca. 12 A4-(Thermopapier)-Seiten. Allerdings konnte ich die Seiten mit einem externen Floppy-Disc auf A3/4"-Kassetten speichern, aber es entstand ein fürchterlicher Salat!

Alle Zeichnungen und Kurven habe ich in mühseliger Arbeit (wie die alten Chinesen) mit Rothring-Stiften (und etlichen Tuscheklecksen) selbst angefertigt. Das Rezept ist denkbar einfach: Man lege über einem Millimeterpapier ein Fettpapier und zeichne die Kurven nach. Man habe stets eine Rasierklinge zur Hand.

Da ich an einer sehr lärmigen Zürcher (Josef-)Strasse wohnte, habe ich am liebsten in der Nacht gearbeitet. 

Um das Manuskript druckreif zu machen, bin ich an einem grauen Februartag für ca. 10 Tage nach Venedig verschwunden.

Ich brauchte einfach ein wenig Renaissance-Luft.

 

Castelldefels, 24. Februar 2007

 

Manuel Franquesa Voneschen 

Tel. +34 93 665 23 76

 

PS. Kann uns eine Neorenaissance vor dem Untergang retten?

PD. Herzlichen Dank an Cornelius Langanke für das Lektorat


Epigraph

Ach, der alten Zeiten gedenk' ich,
als die Schweizer Industrie noch gelenkig
und viele g'scheite IngeniörInnen brauchte
weil jeder Schornstein mit Freuden rauchte.
Doch diese Zeiten sind nun vorüber
auch die Gletscher laufen schon über.
Denn die globale Hitz'
ist weiss Gott kein Witz.
Auf's Hirn hat sie geschlagen
zum Ärger der alpinen Ahnen.
Bald ist Babels Turm vollendet
und das ganze Geld veschwendet.
Ins Finanzloch haben sie's gesteckt
dort ist es jämmerlich verreckt.
Nun sitzen die SchweizerInnen da
ohne Voltaire's lustiges Cafe dada
und lachen sich ins Fäustchen
in ihren Reihenhäuschen...
 
D'rum ein weiser Rat:
Baut euch ein kleines Windrad!
 
 

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